Wir sollten nicht immer glauben, was in der Schule unterrichtet wird. So behaupten die meisten Erdkunde Lehrer, am Nordpol sei es eisig kalt, einsam und man laufe Gefahr, von Eisbären angefallen zu werden. Wer nur einmal im Nordpol zu Gast war, weiß, daß es sich hierbei um leeres Gerede handelt. Auch die Behauptung, um zum Nordpol zu gelangen, müsse man eine weite, entbehrungsreiche Reise antreten, ist unhaltbar. Aber vielleicht reden die Lehrer und die Gäste des Nordpols aneinander vorbei. Was auch immer in der Schule unter Nordpol verstanden wird: hier geht es um das Café Nordpol in der Gottschalkstraße, wo es Eisbären nur auf einem Gemälde gibt. Ansonsten zeichnet sich das Café Nordpol durch wundersame Artenvielfalt aus. Vom Fabrikarbeiter bis zum Professor, von der alternativen Studentin bis zum Modebewußten Jacketträger, vom jungen Pärchen bis zum altgedienten Kneipengänger strömen die unterschiedlichsten Menschen in das kürzlich renovierte, gemütliche Lokal von Inhaber Hasan Dogala. Sein Bruder Sükrü Dogala, ein erfahrener Koch, bereitet in der vergrößerten Küche für seine Gäste neben dem legendären, vielleicht dem besten Frühstück in der Stadt, eine größere Auswahl an köstlichen, internationalen Speisen. Besonders zu empfehlen sind die variantenreichen Böreks.

Mit dem Namen Nordpol verbinden sich daher nicht Einsamkeit und Kälte, sondern das Café Nordpol versteht sich als ein Treffpunkt verschiedener Kulturen, Nationalitäten, Berufs- und Altersgruppen in gemütlicher Atmosphäre. Gleichzeitig ist es ein Aussichtspunkt. An sonnigen Tagen und warmen Sommerabenden können die Gäste im Straßencafé unter den Kastanienbäumen das Flair der roten Backsteinfassaden genießen und die bunte Scharr der Passanten beobachten. Sogar Erdkundelehrer würden hier freundlich bewirtet, um sich eines besseren über den Begriff "Nordpol" belehren zu lassen.

 

 

 (Nordwind, Ausgabe 6)